Erstmals wurde im Verkehrshaus Luzern der Cadre d'Or verliehen. Ausgezeichnet wurden der beste Holzbauer, der beste Ausbildner sowie der beste Arbeitgeber der Schweizer Baubranche.

Pirmin Jung (r.) ist als bester Holzbauer mit dem Cadre d'Or von Baukader Schweiz geehrt worden. Hier wird der Preisträger von Moderatorin Claudia Lässer befragt.
Baukader Schweiz und der Verlag Hoch- und Tiefbau, Herausgeber von «Schweizer Holzbau», haben eine prestigeträchtige Auszeichnung für das Baugewerbe lanciert: den Cadre d'Or. Mit diesem wurden der beste Holzbauer, der beste Ausbildner sowie der beste Arbeitgeber der Schweizer Baubranche geehrt. Solche Auszeichnungen dienen dazu, hervorragende Leistungen bekannt zu machen und ihren Urhebern die verdiente Anerkennung zu zollen.
Neugier und Spannung liegen in der Luft im Foyer des Kongressaals des Verkehrshauses, denn ausser der Jury weiss noch niemand, wer von den Nominierten den ersten Cadre d'Or erhalten wird. Kaum haben alle Gäste im Saal Platz genommen, erklingt die Titelmelodie des Films «die Eroberung des Paradieses» und die Moderatorin des Abends, Claudia Lässer, betritt die Bühne. Ganz in flammendes Rot gekleidet, ruft sie in Erinnerung, dass die Nominierten in den Kategorien Ausbildung und Holzbau aus 40 eingereichten Dossiers ausgewählt wurden, während der beste Arbeitgeber aus einer elektronischen Abstimmung hervorgegangen ist, an der über 2000 Personen teilgenommen haben. Die Slam-Poetin Lara Stoll hat die Aufgabe, das Publikum auf die Preisverleihung einzustimmen. Mit ihren eigenwilligen, manchmal skurrilen Geschichten hat sie in der Slam-Poetry-Szene Furore gemacht, unter anderem mit dem vor einem Jahr errungenen Europameistertitel.
Als «Hansdampf in allen Gassen» bezeichnet Hansjörg Setz, Geschäftsführer von Holzbau Schweiz und Jurymitglied, den Sieger der Kategorie Holzbau: Es ist Pirmin Jung, Holzbauingenieur und Unternehmer aus dem Luzernischen Rain. Jung lernte Zimmermann und zeichnete sich rasch als Brückenbauer zwischen Planern und Ausführenden aus. In Wien hat er sich zum Holzbauingenieur weitergebildet und gehört damit zur neuen Generation von Schweizer Holzbauingenieuren. Jung gilt in der Schweiz als Vater des mehrstöckigen Holzwohnbaus: 1996 realisierte er das erste mehrgeschossige Holz-Mehrfamilienhaus der Schweiz und 1999 folgte ein weiterer Paukenschlag: Er plante und erstellte eine fünfgeschossige Holz-Überbauung mit 74 Wohnungen. Sein besonderes Augenmerk gilt der Integration von Wärmedämmung, Schallschutz und Brandschutz in die Holzelementbauweise. Er integriert auch die Haustechnik in seine Holzkonstruktionen. Die gesamte Holzbaubranche profitiert von seinen innovativen Ideen.
Pirmin Jung gibt gegenüber der Moderatorin zu, dass er überrascht ist, denn seine Mitnominierten sind ebenfalls Holzbauer von Rang und Namen. Seine «Mission» sieht er darin, die Holzkonstruktionen so zu rationalisieren, dass sie preislich mit der konventionellen Bauweise mithalten können. Gleichzeitig hebt er hervor, dass Wohnbauten aus Holz ein vollkommen anderes Raumgefühl vermitteln.
Mit einem Zitat des Mystikers und Kirchenlehrers Franz von Sales leitet Norbert Inauen, CEO von ToiToi, zur eigentlichen Preisverleihung über: «Ein Gramm Arbeit wiegt mehr als ein Kilo Worte.» Diese Charakterisierung trifft auf alle für den Cadre d'Or in der Kategorie Ausbildung nominierten zu. «Es ist nicht leicht, mit der heutigen Generation von Jugendlichen zusammenzuarbeiten und sie dann auch noch zum Umgang mit Behinderten Menschen zu motivieren», betont Inauen und jetzt ist der Sieger klar: Ueli Niederberger, gelernter Maurer, Polier und heute Lehrlingsausbildner bei der Marti AG Zürich. Niederberger hat das Lehrlingswesen in seinem Unternehmen auf eine vollkommen neue Grundlage gestellt. Heute werden bei Marti Zürich fünfmal mehr Lehrlinge betreut als noch vor sieben Jahren. Sie erlernen nicht nur ihre beruflichen Kompetenzen von älteren Lehrlingen, sie stellen im Rahmen von Lehrlingslagern zerfallene Alphütten wieder instand und lernen bei besonderen Aktionen den Umgang mit behinderten Menschen. «Junge wollen ernst genommen werden, dann sind sie auch zu aussergewöhnlichen Leistungen bereit», meint Niederberger und widerspricht der Auffassung, dass die heutige Jugend generell wenig leistungsbereit sei. Er ruft zudem in Erinnerung, wie wichtig es ist, dass sein Arbeitgeber Zeit, Geld und Vertrauen in den Aufbau des Lehrlingswesens gesteckt hat. Die Auszeichnung mit dem Cadre d'Or empfindet er auf jeden Fall als «Highlight meiner Karriere».
«Die Kategorie 'Bester Arbeitgeber' ist im Bewusstsein geschaffen worden, dass aussergewöhnliche Leistungen nur dort möglich sind, wo Arbeitgeber und Arbeitnehmer am gleichen Strick ziehen», erklärt Barbara Schiesser, Direktorin von Baukader Schweiz und Gastgeberin des Cadre d'Or. Der Sieger dieser Kategorie wurde deshalb nicht von der Jury erkoren, sondern in einem elektronischen Abstimmungsverfahren ermittelt, an dem sich rund 2000 Personen beteiligt haben. Nominiert waren fünf Bauunternehmungen aus der Deutschschweiz. Gewonnen hat mit fast 50 Prozent der Stimmen die Hew AG aus dem bündnerischen Felsberg. «Dieser Sieg ist mehr als verdient», lobt Schiesser in ihrer Laudatio das ausgezeichnete Unternehmen, denn es handelt sich um eine Firma, die «solides Unternehmertum» mit dem Wohl der Mitarbeiter verbindet, wo gegenseitiger Respekt und Verantwortung nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt werden.
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