Report
25.05.12  |   W.Bogusch

In Zürcher City gebaut: Holzobjekte mit sechs Geschossen

Als Ersatz für zwei im 19. Jahrhundert erbaute Immobilien im Stadtzürcher Seefeldquartier sind zwei mehrgeschossige Wohn- und Geschäftsgebäude projektiert und – mit Präferenz der Bauherrschaft – in energieeffizienter Holzbauweise errichtet worden.

Die beiden neu erbauten, sechsgeschossigen Wohn- und Bürohäuser befinden sich an dicht bebauter, innerstädtischer Lage in Zürich – konkret an der Hufgasse (Hu-Haus) ...

Die beiden neu erbauten, sechsgeschossigen Wohn- und Bürohäuser befinden sich an dicht bebauter, innerstädtischer Lage in Zürich – konkret an der Hufgasse (Hu-Haus) ...

... und an der Mühlebachstrasse (Mü-Haus). Das Erscheinungsbild der Strassenfassaden am Mü-Haus wird von den Schieferplatten der Gebäudehülle und den hellen Fenstern geprägt.

... und an der Mühlebachstrasse (Mü-Haus). Das Erscheinungsbild der Strassenfassaden am Mü-Haus wird von den Schieferplatten der Gebäudehülle und den hellen Fenstern geprägt.

Als Kontrast zum äusseren Erscheinungsbild bekommt das Innenleben der beiden Sechsgeschosser mit dem natürlichen Werkstoff Holz eine emotionale Komponente.

Als Kontrast zum äusseren Erscheinungsbild bekommt das Innenleben der beiden Sechsgeschosser mit dem natürlichen Werkstoff Holz eine emotionale Komponente.


Das zusammenhängende Grundstück der beiden Altbauten an der Mühlebachstrasse 8/10 und an der rückwärtigen Hufgasse liegt in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Stadelhofen. Nach dem Abriss der beiden betagten Bauten galt es, die entstandene Baulücke in diesem dicht bebauten, innerstädtischen Quartier zu schliessen. Diese Bauaufgabe wich vom Konventionellen insofern ab, als die beiden projektierten Neubauten – über betonierten Sockelgeschossen – in Holzbauweise auszuführen waren: ein sechsgeschossiges, rund 30 m langes Gebäude mit flexibel gestaltbarer Wohn- oder Büronutzung entlang der Mühlebachstrasse (in der Folge als Mü-Haus bezeichnet) sowie an der ruhigeren Hufgasse ein Wohnhaus (Hu-Haus) mit ebenfalls sechs Geschossen. Sie sollen die heterogene Bebauung des 19. Jahrhunderts vervollständigen und gleichzeitig neue Akzente setzen. Die obersten Geschosse sind jeweils im Attikastil ausgebildet.

Die Nutzungsformen

Die unteren Geschosse (EG bis 3. OG) des Mü-Hauses sind für gewerbliche Nutzungen, die oberen Geschosse (4. bis 6. OG) für Wohnzwecke reserviert. Wie dem Bericht des Projektverfassers zu entnehmen ist, sind die Grundrisse des gesamten Objekts äusserst flexibel ausgelegt, sodass es entweder als reines Wohnhaus oder ausschliesslich als Geschäftsgebäude genutzt werden kann. Das aktuelle Konzept sieht je zwei 2 ½-, 4 ½- und 5 ½-Zimmer-Wohnungen vor. Der Baukörper des Hu-Hauses markiert den Abschluss der bestehenden Häuserzeile. Im Erdgeschoss stehen zwei Gewerbeeinheiten für Bürozwecke zur Verfügung. Auf die darüber liegenden Geschosse wurden acht Wohnungen mit 4 ½ Zimmern sowie eine grosszügige Attikawohnung verteilt. Beide Gebäude verfügen über eine gemeinsame Tiefgarage, die alle vorgeschriebenen Abstellplätze aufnimmt. Für die Unterbringung der Gebäudetechnik stehen ebenfalls Räume in gemeinsamer Anordnung bereit.

Material und formale Akzente

Das baulich-konstruktive Konzept sah vor, die Untergeschosse sowie das Erdgeschoss und die mittig angeordneten Treppenhaustürme beider Gebäude in Massivbauweise auszuführen. Die Funktion der tragenden Geschossdecken übernehmen vorgefertigte Holzbetonverbunddecken. Auf diese statischen Elemente wurde zuerst eine Schüttung (Möglichkeit zum Verlegen von Installationen) eingebracht, danach eine Trittschalldämmung verlegt sowie ein Unterlagsboden gegossen. Die Decken sind von unten sichtbar und somit als Gestaltungselemente wirksam; in den Bereichen mit Installationen ist eine abgehängte Gipskartondecke montiert worden.

 

Der raumabschliessende Holzsystembau rund um die betonierte Treppenanlage wurde ab der Bodenplatte des 1. OG mit grossformatigen Elementen in Holzrahmenbauweise ausgeführt. Sämtliche Wände sind auf der Innenseite nichtbrennbar beplankt. Das von hellen Fenstern mit Schiebeläden geprägte Fassadenbild der beiden Gebäude erhielt mit unterschiedlichen Verkleidungsmaterialien belebende Akzente. Beim Mü-Haus wurde das 1. OG (strassenseitig) mit Blech verkleidet, das 2. bis 6. OG mit Naturschiefer (strassenseitig) sowie mit gelben Faserzementplatten (hofseitig), welche mit den schwarzen Solarpanelen kontrastieren. Das Hu-Haus ist rundum vom EG bis einschliesslich 5. OG mit Naturschiefer gestaltet, während das Attikageschoss rundum wie auch die Balkone mit Faserzementplatten verkleidet sind.

Das statische Konzept

Die Geschossebenen sind – wie erwähnt – als vorgefertigte Holzbetonverbunddecken (HBV) ausgebildet worden; ihre maximale Spannweite beträgt rund 6,50 m. Diese HBV-Decken bestehen aus einem Brettstapel, der mit Ausnahme des Attikabodens (180 mm) 160 mm dick ist und aus einer 80 mm starken Betonschicht. Die Decken lagern auf den tragenden Bauteilen (Aussen- und Innenwände bzw. Stahlträger/Stützen sowie auch dem massiven Treppenhaus) auf. Über den Fenstern werden die Decken mit Einbindern, welche auf den Stützen aufliegen, abgefangen. Die Lastabtragung erfolgt direkt durch eine Stirnholzverbindung in die unteren Geschosse. Die Balkone (je zwei pro Geschoss) des Hu-Gebäudes sind an der Aussenwandkonstruktion angehängt, während die hofseitig angeordneten Balkone des Mü-Hauses zum einen an der Aussenwand angehängt und zum anderen selbsttragend auf Stützen montiert wurden.

 

Die Stabilität beider Gebäude wird jeweils durch das aussteifende Treppenhaus in Massivbauweise gewährleistet, wobei die Decken als statische Scheiben ausgebildet sind. Die horizontalen Lasten infolge Wind oder Erdbeben werden pro Geschoss durch statische Verbindungen in den Treppenhausturm eingeleitet.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in SHB 05/12


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