Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Nutzungsflexibilität waren die bestimmenden Faktoren bei der Projektarbeit für das neue Multifunktionsgebäude in Oberrieden. Prädestiniert für die Materialisierung des Entwurfs war die Holzrahmenbauweise.

Harmonisch einander zugeordnete Baukörper bestimmen formal das architektonische Gesamtbild des Multifunktionsgebäudes in Oberrieden.

Auf einen Raster von 7,5 m × 2,5 m abgestimmt, erfolgte die Materialisierung des Projekts im System des Holzrahmenbaus mit vorgefertigten Elementen für Wände, Decke und Dach.

Die Bibliothek ist bautechnisch autonom, womit sie in ihrer Nutzung unabhängig ist. Ihre Räumlichkeiten (im Bild das OG) öffnen sich über eine zweigeschossige Verglasung zum Pausen-/Vorplatz.
Mit einem klaren Votum an der Urne hat das Stimmvolk von Oberrieden im Herbst 2009 den Weg für den Rückbau einer betagten Turnhalle (Bj. 1926) und den Neubau eines Multifunktionsgebäudes geebnet. Für die Umsetzung des Bauvorhabens entschied sich die Bauherrschaft, die Dienste zum Festpreis eines Gesamtleistungsanbieters in Anspruch zu nehmen.
Das realisierte Objekt tritt als schlichter, mehrheitlich zweigeschossiger, in seiner Grundform rechteckiger Hauptbaukörper mit eingeschobener, quadratischer Aula in Erscheinung. Im Bericht des Architekten ist festgehalten, dass der realisierte Ersatzbau mit seiner zurückhaltenden, zeitlosen Architektursprache im Kontext mit den gebauten Strukturen steht. Die allseitig transparente Vertikalerschliessung verbindet wie ein lichtdurchflutetes «Gelenk» den Multifunktionsbau mit dem bestehenden Oberstufenschulhaus. Ein Lift bedient sämtliche Ebenen beider Trakte ohne im Aussenraum störend aufzutreten. Die grossflächige Verglasung der Aula wirkt einladend – am Tag wie auch zu nächtlicher Stunde. Die Bibliothek öffnet sich über eine zweigeschossige Verglasung zum Pausen-/Vorplatz und lässt sich als funktionale Einheit ablesen. Der Baukörper mit Flachdächern respektiert den grossflächigen Pausenplatz und sucht in Form und Gestaltung die Verbindung bzw. Ergänzung zur Sporthalle und setzt, wie die Architektursprache der Sporthalle, einen respektvollen Kontrast zum benachbarten Schulhaus Kirchgasse.
Die örtlichen Gegebenheiten sowie die Analyse der Materialisierungen der angrenzenden Bauten führten zum Entscheid, den Gebäudekörper vollständig mit einer offenen, horizontalen Holzschalung zu verkleiden, wobei die Farbgebung des warmen, silbergrauen Lasuranstrichs den Multifunktionsbau ebenso schlicht wie zeitgemäss erscheinen lässt.
Innerhalb der klaren, statischen Strukturen des Holzelementbaus können mehrere Funktionen im Zusammenspiel wie auch eigenständig abgerufen werden. Die bis zu 200 Sitzplätze anbietende Aula kann, samt Foyer, WC-Anlagen und Küche, für öffentliche Veranstaltungen völlig autonom zur Verfügung gestellt oder vermietet werden. In diesem Betriebsmuster lässt sich ein Vorbereitungsraum für Service oder Partyservice nutzen. Die öffentliche Bibliothek ist insofern autonom, als sie ohne mit Schule oder Hort in Konflikt zu geraten – die Öffnungszeiten selber definiert und interne Veranstaltungen wie Vorlesungen usw. eigenständig organisiert. Um die zentrale Küche sind die Bereiche Hort und Mittagstisch angeordnet. Mit Rücksicht auf die verschiedenen Altersstufen (Oberstufe/Vorschulalter), wird die Erschliessung von Hort und Mittagstisch über das Foyer geführt. Je nach Nachfrage kann der Mittagstischbereich in die Aula ausgedehnt werden. Eine mobile Trennwand lässt eine Doppelnutzung der Aula zu. Der Hortbereich mit Ruhe- und Schlafzonen öffnet sich über raumhohe Verglasungen zum geschützten Aussenraum. Die schulischen Nutzungen erstrecken sich auf das Erd- und Obergeschoss der neuen Vertikalerschliessung: Lehrerzimmer, Vorbereitung, Schulleiterbüro und Besprechung im OG, das Büro IF/Kindergarten im etwa 760 m2 grossen EG. Eine attraktive Hauswartwohnung (4-½-Zimmer) mit Terrasse rundet das Raumangebot im Obergeschoss (etwa 470 m2) ab. Haustechnik- und Nebenräume sind im Untergeschoss (etwa 390 m2) untergebracht.
«Heute Hort, morgen Kindergarten oder Regelklasse» – nach diesem Motto projektiert, weist das neue Multifunktionsgebäude in Oberrieden einfachste, aber flexible Strukturen auf, die auf einen Raster von 7,50 m × 2,50 m abgestimmt sind. Nach dieser konzeptionellen Vorgabe erfolgte die Materialisierung des Projekts mit vorgefertigten Elementen im System des Holzrahmenbaus. Diese Bauweise basiert auf hochentwickelten Holz- und Holzwerkstoffprodukten, die zu Bauteilen mit hoher Fertigungsqualität verarbeitet werden. In Kombination mit der Dämmstoffeinbringung (Zelluloseflocken) ergeben diese mehrschaligen Elemente eine thermisch optimierte Gebäudehülle, die – wie im vorliegenden Falle – den Standard Minergie erfüllt. Statisch wirken diese flächigen Holzbauteile als Scheiben, sodass Spannweiten für Fensterbänder systemgerecht realisierbar sind. Neben den technischen Qualitäten, vermochte die Systembauweise in Holz dadurch zu überzeugen, dass nach Fertigstellung der Rohbaustruktur keine zeitaufwendigen Trocknungsprozesse erforderlich waren, was die Gesamtbauzeit merklich verkürzt hat.
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