Der in Hybridbauweise realisierte Neubau der Clientis Bank im Zentrum von Schöftland AG ist mit seiner Optik ein wahrer Hingucker. Auslöser dafür ist das individuelle Design der Fassadenbekleidung, welches die Blicke anzieht.

Das neue Bank- und Geschäftshaus «Clientis Park» in Schöftland: Im Standard Minergie-P realisiert, erweist sich der Hybridbau ...
Das neue Geschäfts- und Bürohaus der Clientis Bank im aargauischen Schöftland ist das erste nach dem Standard Minergie-P zertifzierte Gebäude seiner Kategorie im Kanton Aargau. Die Immobilie wurde in Hybridbauweise erstellt, wobei die Aussenwände mit vorgefertigten Holzbauelementen ausgeführt wurden.
Seinen Standort hat der präzis geschnittene, kubisch geformte Baukörper in einem heterogenen Durcheinander des Dorfzentrums. Mit seinem arkadenartigen Rücksprung im Erdgeschoss vermittelt er zwischen dem vorderen Strassenraum und einer seitlich angrenzenden Festwiese. Das Fassadenbild betont die Vertikale und spielt mit dem Reiz der unterschiedlichen Distanzen und den entsprechend unterschiedlichen Wahrnehmungen. So verschwimmt das stark verpixelte, florale Muster aus der Distanz zu einem Flimmern und assoziiert von nah einen abstrahierten Ausschnitt einer baumbestandenen Landschaft. Die Farbigkeit mit den unterschiedlich intensiven Bereichen ist der unmittelbaren Umgebung entnommen. Die Muster wurden mittels eines Injektionsverfahrens nach Entwurfsvorgaben der beiden Designerinnen P. di Valentino und A. Schuhmacher auf die Fassadenplatten aufgetragen. Durch die Verschiebung im Rapport sowie die «tanzenden» Fensteröffnungen – in den Baukörper sind Fenster in zwei Formatgrössen in scheinbar regelloser Anordnung integriert – wirkt die Gebäudehülle als variierende Komposition. Bei den verwendeten Fassadenplatten handelt es sich um Hochpressdrucklaminate (HPL) nach EN 438.
Die Tragstruktur des Bauwerks ist über alle Geschosse als Skelettbau in Stahlbetonweise ausgeführt worden. Die kostengünstige Vorfertigung sprach dafür, nichttragende, gedämmte Holzbauelemente (d = 300 mm) als Aussenwände, welche die gesamte Stahlbetonstruktur umhüllen, zu verwenden. Die Aussenwandelemente sind nichttragend vor die Stahlbetonstruktur gehängt. Die Vertikal- und Horizontallasten der Wandelemente werden geschossweise mit einer kraftschlüssigen Traglatte über ein Stahlteil in die Betondecke abgeleitet. Die Stahlteile wurden vorgängig montiert und horizontal ausgerichtet. Um vertikale Masstoleranzen aufzunehmen, sind die Traglatten erst nach der Montage der Wandelemente mit diesen kraftschlüssig verschraubt worden. Somit konnten die Toleranzen bei jedem Geschoss korrigiert aufgenommen werden.
Das Gestalten von Fassaden ist neben dem Spiel mit den ästhetischen Möglichkeiten vor allem eine Herausforderung an die technische Lösung. Die Konstruktion der vorgehängten hinterlüfteten Fassade macht eine kreative, aber auch sichere und wirtschaftliche Fassadengestaltung möglich.
An den beschriebenen Aussenwandelementen konnten auf der Bautelle spezielle Fassadenplatten montiert werden. Zur Verwendung gelangten Schichtstoffpressplatten (HPL), die ab Werk fertig zugeschnitten geliefert wurden. Auch die Bohrung der Sacklöcher für die verdeckte Montage erfolgte bereits werkseitig. Bei jedem Teil der gelieferten Fassadenplatten handelt es sich aufgrund des individuellen Dekors um ein Einzelstück mit Puzzle-Charakter. Daher wurden die Platten während des Design-Drucks mit Nummern versehen, um eindeutig die Identität und Lage im Fassadenbild zu gewährleisten. Zudem bestand die Möglichkeit, bei einer allfälligen Beschädigung einer Platte, diese anhand der ID-Nummer nachzubestellen. Für die verdeckte Plattenmontage genügten eine Unterkonstruktion mit Alu-Profilen und systemgeeignete Hinterschnittanker.
Montiert wurde die Fassade von einem Gerüst aus. Bei Fassadenlängen von knapp 30 m und Höhen von maximal 11,3 m kam eine Fläche von knapp 1200 m2 zusammen, die innert sieben Arbeitstagen montiert wurde. Die etwa 40 kg schweren und mehrheitlich 2670 × 1260 mm grossen Platten waren teilweise mit Ausschnitten versehen.
Die Fassedenplatten wurden mit Agraffen vormontiert, in der vorgesehenen Montagereihenfolge palettiert und so zur Baustelle geliefert. Die Verteilung auf der Baustelle erfolgte von Hand. Hohe Präzision war beim Montieren erforderlich, wurden doch die Fugen generell offen gestaltet, mit der Vorgabe, dass sie innerhalb der Fassade – egal ob zwischen den Platten oder zu den Aluminiumzargen der Fenster – stets 8 mm betragen mussten. Der 50 mm breite Hinterlüftungsspalt ist mit Hinterlüftungsgittern gegen das Eindringen von Insekten gesichert.
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