Über 40 Unternehmerfrauen haben sich zur zweiten Versammlung der Fachgruppe Unternehmerfrauen von Holzbau Schweiz in Alpnach Dorf getroffen. Am gelungenen Jahresevent bei der Alpnach Norm-Schrankelemente AG hielt Firmenchefin Brigitte Breisacher ein aufsehenerregendes Referat zum Thema Führungsgrundsätze.
Die Fachgruppe Unternehmerfrauen von Holzbau Schweiz hat ihren Jahresevent diesmal bei der Alpnach Norm-Schrankelemente AG in Alpnach Dorf abgehalten. Wieder war der Aufmarsch der Damen für die Organisatorinnen überwältigend. «Vor einem Jahr erst haben wir unsere Fachgruppe gegründet und uns zu unserer ersten Versammlung getroffen», sagte die Vorsitzende Cornelia Bornhauser. «Und wieder ist ein super Tag, und fast alle unsere Mitglieder sind heute gekommen. Darauf können wir echt stolz sein.» Überrascht sei man auch von der grossen Teilnehmerzahl an den beiden von der Fachgruppe durchgeführten Kursen «GAV Holzbau Schweiz» und «Stolpersteine erkennen und vermeiden» gewesen, meinte Bornhauser. Sogar ein paar Männer seien gekommen. «Unsere Anstrengungen, ein Frauen-Netzwerk aufzubauen, um den Erfahrungsaustausch zu fördern und unsere Perspektiven zu erweitern, haben sich gelohnt.»
Brigitte Breisacher, Inhaberin sowie Unternehmensleiterin der Alpnach Norm-Holding mit den Unternehmen Alpnach Norm-Schrankelemente AG, Alpnach Küchen AG, Norm-Schrank AG Cham, stellte am Event ihre Führungsgrundsätze vor. Mit ihrem Lebensmotto «Heute ist mein bester Tag» wusste die Firmenchefin die Zuhörerinnen zu begeistern: «Ich erlaube mir darum, heute über den speziellen Schatz zu reden, den jeder von uns in sich trägt.» Ihre innere Stimme habe sie am 26. Dezember 2004 in Ostasien, als sie inmitten der Tsunami-Katastrophe weggespült und verletzt wurde, gerettet, sagte Breisacher. «An diesem Tag hatte ich meinen normalen Tagesablauf im Urlaub geändert, aus dem Bauch heraus, was mir ein zweites Leben bescherte, und ich bin sehr dankbar dafür. Daraus habe ich gelernt: Intuition ist ein Wissensschatz, den es wiederzuentdecken gilt.» Brigitte Breisacher plädiert dafür, dem eigenen Bauchgefühl wieder mehr Raum zu geben und den Schatz aufzumachen. «Ein anderes Thema hat mir stark beim Heilungsprozess geholfen: die positive Lebenseinstellung. Positive Gedanken haben positive Auswirkungen. Negative Gedanken lähmen uns.»
Als Inhaberin eines Unternehmens mit 160 Mitarbeitern, das im vergangenen Jahr 42 000 eintürige Schränke produzierte, ist Brigitte Breisacher bewusst, dass der tägliche Umgang mit Menschen viel Einfühlungsvermögen, aber auch Geduld und Engagement erfordert: «Eine Unternehmung ist nur so gut wie ihre Mitarbeiter. Führung ist gefragt. Meine Rolle als Chef ist weder die eines Herrschers noch die eines Vereinvorstandes, sondern die eines vermittelnden, ausgleichenden und führenden Partners.»
Um Strukturen zu erhalten, hat das Unternehmen den «Code of Alpnach Norm» entwickelt, der die betriebseigenen Führungsprinzipien zusammenfasst und ein konfliktfreies Funktionieren in der Unternehmung ermöglichen soll. «Denn viele Konflikte entstehen durch Missverständnisse», meinte die Firmenchefin. «Ehrlichkeit, Respekt, gegenseitige Achtung und Anstand, Offenheit und Bescheidenheit, Vertrauen und Wertschätzung sowie klare und rechtzeitige Kommunikation sind wichtige Elemente für ein erfolgreiches Miteinander.» Fehler zu «entpersonifizieren», so Breisacher, sei immer vorteilhaft: «Niemand ist perfekt. Wir sind eine lernende Organisation. Wer Fehler macht, versteckt diese nicht, sondern macht sie transparent, mit einem Ziel – dass sie kein zweites Mal passieren.» Auch ein früher Einbezug Beteiligter in Entscheidungsprozesse sei von Vorteil.
Ganz anders als in vielen Fachbüchern und Studien beschrieben, glaubt Brigitte Breisacher, dass man als Vorgesetzter nicht einfach die Mitarbeiter motivieren kann: «Mitarbeiter können sich nur selber motivieren. Man kann jedoch Anreize für Motivierung schaffen.» Über Motivationsmethoden nachzudenken, sei wie der Versuch eines Gärtners, an seinen Pflanzen zu ziehen, damit sie schneller wachsen. Hier sind giessen, düngen, jäten und zurechtschneiden geeignetere Massnahmen, das Wachstum zu fördern. «Ziehen Sie nicht an den Mitarbeitern, sondern werden Sie zum Gärtner, hegen und pflegen Sie. Vielleicht müssen sie wie bei einem Rebstock auch einmal einen Trieb abschneiden, damit sich die Kraft wieder am richtigen Ort entwickeln kann.» Nicht die Rendite ist das wichtigste Element, glaubt die Unternehmensleiterin, sondern es sollen Liquidität, Produktivität und die Zufriedenheit der Kunden und der Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen. Als Unternehmer müsse einem jedoch immer bewusst sein, dass man im Geschäftsleben mit Menschen mit Stärken und Schwächen zu tun hat: «Sich den täglichen Herausforderungen zu stellen, den Menschen so zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen, nehme ich immer wieder gerne an unter dem Motto: ‹Heute ist mein bester Tag›.»
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