Dem im Jahre 2005 realisierten «Dom» (Saldome 1) folgte im Auftrag der Schweizer Rheinsalinen der Neubau der «Kathedrale» (Saldome 2) in Riburg bei Rheinfelden. Das kuppelförmige Netzschalentragwerk in Brettschichtholzausführung (Häring-Ensphere-System) weist eine Höhe von rund 32 m und einen Durchmesser von 120 m auf.

Sowohl die BSH-Konstruktionsteile für das Tragwerk als auch die vorgefertigten Elemente für die Dacheindeckung danach ...
Der stetig anwachsende Bedarf an Streusalz, verursacht durch verschiedene Faktoren, u. a. durch ein deutlich wachsendes Autobahnnetz und steigende Ansprüche an die Mobilität, führte gegen Ende des letzten Jahrzehnts mehrmals zu Versorgungsengpässen in ganz Europa und zur Einsicht, dass eine zuverlässige inländische Versorgungsautonomie mit Auftausalz unabdingbar ist. Diese Überlegung war der Auslöser – in Ergänzung zum Saldome 1 (Ø 93 m; Höhe: 31 m) – den Bau eines zweiten, noch grösseren Saldomes an die Hand zu nehmen, um mit total über 240 000 Tonnen Losesalz im Zentrallager der Rheinsalinen in Riburg für die nächsten harten Winter in der Schweiz ausreichend gerüstet zu sein.
Wie schon beim Pilotprojekt der ersten Saldome-Kuppel stand auch bei der Planung von Saldome 2 eine optimale Raumnutzung im Vordergrund. Die Grundform entspricht einer Kalotte (Kugelabschnitt), die einen Durchmesser von 120 m und eine Scheitelhöhe von 32 m aufweist. Es sind drei ineinander verflochtene Netzebenen, die – je um 120° gedreht – ein klassisches hexagonales Fachwerksystem ergeben. Die Kuppelstruktur des Saldome 2 besteht aus 894 brettschichtverleimten Tragwerkelementen, die auf einer Schablone mit demselben sphärischen Radius gefertigt wurden. Die 534 Bogenteile des Primärtragwerks weisen je einen Querschnitt von 200 m × 943 mm auf. Das Sekundärtragwerk setzt sich aus 360 Bogenteilen zusammen, die schlanker dimensioniert sind (Q/S: 140 mm × 280 mm). Die einzelnen Elemente der Kuppel sind stirnseitig über ein patentiertes Verbindungssystem (Zentralrohr) aus hexagonal ausgebildeten Stahlknoten (total 326) hochfest zusammengeschlossen.
Von den 48 genau eingemessenen Binderschuhen im betonierten Zugring (Umfang: 377 m) ausgehend wurden die vorgefertigten Dreieckelemente mit gleicher Schenkellänge (9,5 m) lagenweise und mit höchster Arbeitssicherheit montiert. Die Formstabilität von Brettschichtholz und die systematische, sich selbst kontrollierende Geometrie ermöglichten einen reibungslosen, unfallfreien Freivorbau mit mobilen Teleskop-Arbeitsbühnen. Einziger, naturbedingter Störfaktor war der «Möhlin Jet», der sich dann und wann mit seiner scharfen Windströmung aus Südost bis Ost als wenig montagefreundlich erwies. Ungeachtet dessen war die Kuppelstruktur in sechs Wochen aufgerichtet. Die mit Zwischenpfetten horizontal ausgesteifte Netzschalenstruktur wurde zur weiteren Aussteifung scheibenartig mit Grobspanplatten (OSB) eingedeckt. Insgesamt wurden 639 Stück der mit Flüssigkunststoff und Schiefersplitt beschichteten, damit absolut wetterfesten Makrodachplatten (Format B × L: 2,20 m × 12,0 m) verlegt. Die Form der Kugelkalotte erforderte präzis zugeschnittene Elementteile in 42 Variationen. Die farblich hellgrau in Erscheinung tretende Dachfläche von 14 000 Quadratmetern entspricht ungefähr der Grösse von zwei Fussballfeldern.
Der Neubau des Saldomes 2 wird in hohem Masse ökologischen Ansprüche gerecht. Trotz seiner imposanten Grösse wurde für die Tragstruktur des Saldomes 2 erstaunlich wenig Material verbraucht. Denn: Mit gerademal der Hälfte des für eine konventionelle Halle benötigten Baumaterials konnte dank des Ensphere-Kuppelkonzeptes das doppelte Lagervolumen erreicht werden. Das Rohmaterial wurde in den nachhaltig bewirtschafteten Rheinfelder Wäldern geerntet: 500 Fichten und Weisstannen im Alter zwischen 80 bis 100 Jahren wurden dort geschlagen, was 1700 Kubikmeter Rundholz entspricht und eine Ausbeute von 900 Kubikmeter Brettschichtlamellen ergab. Angesichts dieser Tatsachen ist die Bauherrschaft mit dem von der Lignum lancierten Objekt-Zertifkat «Herkunftszeichen Schweizer Holz» ausgezeichnet worden. Wie nachhaltig das Bauen mit Holz ist, lässt sich daran fest machen, dass das für das Tragwerk des Saldomes 2 benötigte Rohholzvolumen in den Schweizer Wäldern in nur drei bis vier Stunden wieder nachwächst.
Die Kuppel des Saldomes ist ein Hochleistungstragwerk, das es bezüglich Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit mit jeder Stahl- und Betonkonstruktion aufnimmt. Das im Inneren sichtbare, filigran wirkende Holznetzschalen-Tragwerk ist wie ein organisches Gebilde im freien Vorbau aus dem Boden gewachsen und spannt sich mit seiner harmonischen Kuppelform über den Betrachter. Kein einziger Stützpfeiler stört die Ästhetik – die überdachte Fläche (11 300 m2) ist einzig der Lagerung von 100 000 t Auftausalz zur Vorsorge für Extremwinter vorbehalten.
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