Internationales Branchenforum für Frauen in Meran 2012 — In diesem Jahr feiert die bei den Frauen der Holzbau- und Innenausbaubranche beliebte Veranstaltung ihr 10-jähriges Bestehen. Geboten wurde den Damen ein vielseitiges Programm mit spannenden Fachvorträgen und einigen Überraschungen, so gab es eine schöne Modeschau und Top-Preise zu gewinnen.
Es ist ein tolles Gefühl, zum 10. mal hier im Kurhaus zu stehen», sagte Prof. Dr. Kathrin Künzi, BFH, Biel, zur Begrüssung der Teilnehmerinnen. «Uns vom Veranstalterteam freut die gute Entwicklung dieser Veranstaltung, die von Anfang an ein Fachprogramm für weibliche Fachkräfte darstellte und Trends in der Bau- und Holzbranche aufzeigte.» In ihrem Rückblick erinnerte sie an zahlreiche Highlights des Branchenforums in den vergangenen Jahren. «Doch wo werden wir in 10 Jahren sein?», fragte die Professorin in die Runde. «Werden dann keine Ratgeber für Frauenkarrieren mehr nötig sein? Wir werden es sehen und daran mitarbeiten.»
Ein Grusswort zum Jubiläum richtet auch der Südtiroler Landeshauptmann Dr. Luis Durnwalder an die Teilnehmerinnen des Frauenforums. In seinem geschichtlichen Abriss zeigte er die vielschichtigen Entwicklungen und die leidvolle Vergangenheit der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol, das bis 1919 zu Österreich-Ungarn gehört hatte. «Seit wir 1972 unsere Autonomie bekommen haben», sagte Durnwalder, «sind wir frei, hier unsere eigenen Probleme zu lösen. Wir dürfen aber nie vergessen, dass die Verschiedenheit unserer Bevölkerungsgruppen etwas Besonderes ist, das es zu erhalten gibt. Früher waren wir Grenzgebiet, heute sind wir eine erfolgreich gewachsene Region in Europa.» Luis Durnwalder lobte, wie der nachwachsende Rohstoff Holz heute bei privaten und öffentlichen Bauträgern als 'Multitalent' zwischen Natur und Technik eine neue Wertschätzung erlangt habe: «Ich gratuliere ihnen zu diesem Erfolg und zum grossen Jubiläum des Branchenforums für Frauen.»
Um Produktivität vs. menschliche Ethik ging es im Gastreferat von Pater Dr. Albert Ziegler SJ, Zürich. Für den Jesuitenpater sind wir Menschen angesichts knapper werdender Lebensmittel verpflichtet, die Produktivität der Produktion zu erhöhen. Bei der Verbesserung der Produktivität dürfe man die Glokalität nicht vergessen und müsse darum bei der Produktion immer auch territorial, sozial und temporal denken. Dieses Denken führt zum Konzept der nachhaltigen Entwicklung. Es bedeutet: Wir haben nur dann weltweit eine Zukunft vor uns, wenn wir drei Eckwerte gleichrangig anstreben: wirtschaftlichen Wohlstand, soziale Sicherheit und ökologisches Gleichgewicht.
Bei allem Mühen um eine Verbesserung der menschlichen Produktivität, so Ziegler, ist neben dem Planbaren auch das Unplanbare nicht aus den Augen zu verlieren. Das heisst: Es braucht einerseits eine produktive und produktivitätsförderliche Wirtschaft und darum eine harte Währung. Andererseits ist der Mensch gut beraten, wenn er nicht alles planen, berechnen und in den Griff bekommen will. Es gilt, sich auch von dem ergreifen zu lassen, was als Geheimnis in uns lebt und als grösseres Geheimnis um uns und über uns waltet. «Erst im Geheimen sind wir daheim», meinte Pater Ziegler. «Glücklich der Mensch, der bei allem Planen und Sorgen sich in guten Händen geborgen und darum daheim weiss.»
Prof.Dr. Patricia Hamm, Hochschule Biberach, berichtete über Schwingungen bei Holzdecken. Ziel der von ihr vorgestellten Konstruktions- und Bemessungsregeln ist es, Tragwerksplanern und ausführenden Firmen zu ermöglichen, den Nachweis des Schwingungsverhaltens von Holzdecken zu führen. Das Schwingungsverhalten von Decken, so Hamm, wird wesentlich von der Art der Konstruktion und dem Ausbau beeinflusst. Die untersuchten Holz-Beton-Verbunddecken wiesen grösstenteils bereits als Rohdecken ein angenehmes Schwingungsverhalten auf. Flächige Massivholzdecken (z.B. aus Brettstapel- oder Brettsperrholzplatten) haben demnach bei Einhaltung der gestellten Anforderungen das Schwingungsverhalten betreffend ebenfalls einige Vorteile: Sie besitzen durch die massive Bauweise eine relativ hohe Eigenmasse und Querbiegesteifigkeit (im Vergleich z.B. zu einer Holzbalkendecke).
Eva Herren, Blue Architects & Ruprecht Architekten, Zürich, stellte nachhaltiges Konstruieren (ökologisch, sozial, wirtschaftlich) in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Angesichts der Ausschöpfung natürlicher Ressourcen unserer Umwelt sei die Architektur besonders gefordert, meinte sie. Am Beispiel der Sportanlage Sargans zeigte sie, dass sich ökologisch nachhaltige Architektur und sinnliche Raumerfahrung nicht ausschliessen. «Das Konstruieren der Details allein reicht für nachhaltige Ergebnisse nicht», so die Architektin. «Der Einbezug der Logistik und der Arbeitsabläufe ist unerlässlich.» Die enge Zusammenarbeit der Architekten mit den Spezialisten (Ingenieure, Handwerker) und sorgfältige Planung sind auf jeden Fall für gute Ergebnisse nötig.
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