Innenausbau und Renovation
25.05.12  |   SHB

Parkett: Vorsicht bei Billigstimporten

Ist günstig auch gut? Oder kann günstiges Parkett billig, d. h. mangelhaft sein? Mit dieser Frage hat sich auch vermehrt das technische Team der Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie (ISP) zu befassen. Etliche Fälle waren bereits zu prüfen und zu beurteilen.

Trendiges Mehrschichtparkett in Landhausdiele Eiche.

Trendiges Mehrschichtparkett in Landhausdiele Eiche.

Deutlich sichtbare Furnierschichten und gebeizte Oberfläche (mit unterschiedlich weit ins Holz gelangter Beize).

Deutlich sichtbare Furnierschichten und gebeizte Oberfläche (mit unterschiedlich weit ins Holz gelangter Beize).

Durchgeschliffenes Deckfurnier mit einer zweiten Lage Furnier aus Eiche darunter.

Durchgeschliffenes Deckfurnier mit einer zweiten Lage Furnier aus Eiche darunter.


Im Parkettmarkt treten Trends auf, sowohl im Dessin wie in den Holzarten. Gefragt sind heute lange und breite Bretter, genannt Landhausdielen; und möglichst rustikal sollte die Erscheinung sein. Betreffend die Holzart liegt Eiche ganz vorne. Sie lässt sich in braune und dunkle bis fast schwarze Töne verwandeln durch Räuchern, Dämpfen, Kochen oder Thermobehandlungen, was besonders gut beim Endverbraucher ankommt. Kaum mehr gefragt sind im Moment natürlich rote Holzfarben von Tropenhölzern, die auch dunkel sein können, aber eben nicht braun bis schwarz. Also konzentriert sich die Parkettproduktion auf die Eiche.

 

Holz weist jedoch keine unendlichen Ressourcen auf, und so können schon mal Engpässe in der Produktion und Lieferung auftreten. Was liegt also näher, als den Preis der Nachfrage anzupassen. Reicht dies für die Marktregulierung, bzw. die Liefermöglichkeiten nicht aus, sind weitere Ideen gefordert.

Massivparkett

Parkett kann als Massivholzelement konstruiert oder mehrschichtig aufgebaut sein. Massivparkett liegt über die ganze Dicke aus dem gleichen Stück Holz vor. Zudem benötigen die Parkettelemente in der Regel eine Nut-/Kamm-Verbindung zum Zusammenstecken, was zur Folge hat, dass die effektive Nutzholzschicht, die durch Renovieren aufgebraucht werden kann, nur der Teilbereich über der Verbindung ist und dieser lediglich etwa 25 bis 35 Prozent der Gesamtstärke ausmacht. Mehr als zwei Drittel des wertvollen Massivholzes kann also nie genutzt werden. Das war auch früher bei allen alten und aufgenagelten Massivparkett- und Riemenböden schon so.

Mehrschichtparkett

Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wertvolles Edelholz einsparen und auch wesentlich grössere Dielen herstellen zu können, bauen die Parketthersteller heute Mehrschichtparkettelemente. Diese weisen eine sichtbare Echtholzschicht zur Nutzung von mindestens 2,5 mm Dicke – möglich bis zu 8 mm – auf. Darunter befinden sich eine oder mehrere Schichten, die aus Fichte/Tanne, Sperrholz oder anderen Holzwerkstoffen sein können und den Träger bilden. Die Trägerschicht dient lediglich der Stabilität und Befestigung des Parkettelements und kann aus minderwertigen Hölzern oder eben Holzwerkstoffplatten bestehen. Mehrschichtparkette unterliegen einer ordentlichen Deklaration der Nutzholzstärke, diese darf vom genannten Wert nur etwa 10 Prozent abweichen (produktionsbedingt).

Schwindel kaum erkennbar

Ganz findige Parkettproduzenten versuchen nun, das Produkt noch günstiger aufzubauen und täuschen den Nutzer und Endverbraucher durch zwei oder sogar drei dünne Lagen Holz über dem Träger, was meist nur mit Furnieren möglich ist. Die Furnierschichten zusammen werden sodann als «Nutzholz» deklariert.

 

Sie arbeiten also mit einer dünnen Oberschicht, die nach einigen Jahren Nutzung und mit Gebrauchsspuren aber kaum bis gar nie renoviert, d. h. geschliffen und neu behandelt, werden kann, da in der Regel dann die untere Schicht Furnier zum Vorschein kommt. Und dies meist sehr unregelmässig. Leider ist dieser Schwindel für den Endverbraucher kaum erkennbar, oftmals sogar auch für den Parkettverleger nicht. Es handelt sich aber um einen offensichtlichen Betrug.

Renovierung unmöglich

Der Praxisfall 1 zeigte auf, dass das vermeintliche Nussbaumparkett gemäss Produktbeschrieb mit 7-facher Versiegelung und 4 mm Nutzholz zum mehrmaligen Renovieren, effektiv nur zwei Schichten Schälfurnier aufweist und die oberste Lage Furnier zudem dunkel gebeizt vorliegt. Eine Renovation ist somit unmöglich, da die Beize sehr unterschiedlich weit ins Holz gelangte und die oberste Schicht beim Renovieren durchgeschliffen wird.

 

Im Praxisfall 2 nutzte der Parketthersteller eine ganz «günstige» Sperrholzplatte als Träger, die mangelhaft verklebt vorliegt. Die einzelnen Schichten der Trägerplatte trennen sich und es entstehen Ablösungen innerhalb der Parkettelemente. Bei näherer Begutachtung wird sodann auch sichtbar, dass die Furnierschichten bei der Herstellung der Sperrholzplatte mangelhaft oder gar nicht miteinander verklebt wurden. Die Trennung erfolgt ganz ohne Faserausrisse und ausschliesslich in der Leimfuge. Das Tüpfelchen auf dem i wird hier gesetzt mit einer Furnierschicht im Trägermaterial, die von Holzwürmern ganz zerfressen vorliegt und zudem auch noch Fäulnis aufweist. Obschon die Nutzholzschicht bei diesem Billigstimport ordentlich dick und sachgerecht mit dem Träger verklebt ist, weist der ganze Boden einen Totalschaden auf, da nicht ersichtlich wird, wann und wo sich die nächste Furniertrennung im Sperrholz einstellt.

Tipp: Querschnitte immer überprüfen

Wichtig ist, sich beim Anbieter immer Muster zeigen zu lassen und die Querschnitte von Parkettelementen zu prüfen. Im Bereich der Schnittfläche, z. B. nach dem Kürzen der Originaldielen zu Handmustern, wird auch die Nutzholzschicht deutlich sichtbar und kann betreffend die Dicke überprüft werden. Das gleiche gilt auch für die Kontrolle der Trägerschicht.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in SHB 05/12




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