Report
22.08.12  |   W.Bogusch

Subtile Hotelrenovation: die Substanz modifiziert, den Charme aber bewahrt

Alte Pracht erstrahlt in neuem Glanz – Unter Aufsicht der Denkmalpflege ist die 120 Jahre alte Bausubstanz des Jugendstilhotels Paxmontana in Flüeli-Ranft während einer 16-monatigen Bauzeit sowie mit einer Investition von 26 Mio. Franken umfassend saniert und erneuert worden. Die Tragstrukturen des sechsgeschossigen Holzbaus erwiesen sich als anpassungs- und entwicklungsfähig.

Die Tauglichkeit des Holztragwerks erlaubte bei den Renovationsmassnahmen eine optimale Synthese der Erfordernisse von Architektur, Funktion, Haustechnik sowie Brand- und Schallschutz.

Die Tauglichkeit des Holztragwerks erlaubte bei den Renovationsmassnahmen eine optimale Synthese der Erfordernisse von Architektur, Funktion, Haustechnik sowie Brand- und Schallschutz.

Der Einbau der Verstärkungen für die vertikale Lastabtragung erforderte grosse Sorgfalt (historische Gipsdecken).

Der Einbau der Verstärkungen für die vertikale Lastabtragung erforderte grosse Sorgfalt (historische Gipsdecken).

Nach der umfassenden Renovation erstrahlt das Jugendstilhotel Paxmontana in Flüeli-Ranft in der architektonischen Pracht früherer Tage.

Nach der umfassenden Renovation erstrahlt das Jugendstilhotel Paxmontana in Flüeli-Ranft in der architektonischen Pracht früherer Tage.


Beim Umbau und der Renovation des Sommerhotels Paxmontana, das seit 1993 ein denkmalpflegerisches Schutzobjekt von nationaler Bedeutung ist, stand die Nutzungserweiterung zum Ganzjahreshotel in der Dreistern-Plus-Kategorie im Vordergrund. Die Verstärkung der Bausubstanz war ebenso erforderlich wie die Erneuerung der Haustechnik und die Komplettierung der 83 Zimmer mit neuen Bädern.

 

Opulenz und Grossmassstab des mächtigen, sechsgeschossigen Holzbaus sind im Erdgeschoss anzutreffen, wo der Gäste- und Servicebereich erweitert und viele Eingriffe der letzten Jahrzehnte ausgeräumt wurden. Reception, Bar, Office, Lift und Treppe wurden neu positioniert und in einer Sprache gestaltet, die sich am historischen Bau anlehnt und ihn neu interpretiert. Die Serviceräume kamen hinter die Kulissen, die Toilettenanlagen und Nebenräume wurden ins Gartengeschoss verlegt. Als wichtigster Restaurationsbereich wurde die langgestreckte Veranda mit eleganten Möbeln (Design: Hannes Wettstein) aufgewertet, wobei das Joncgeflecht der Stuhllehnen an die Möbel um 1900 erinnert. Im neu erstellten Gartengeschoss sind Räume für Bankette und Seminare, Toilettenanlagen, Technikräume, Anlieferung und Entsorgung entstanden. Ein neuer, zweiter Hoteleingang macht die offene Wandelhalle mit Blick ins weite Tal dem Gast zugänglich. Die Küche sowie Personal- und Lagerräume wurden neu strukturiert und auf einen Ganzjahresbetrieb ausgelegt.

 

Dank der Tauglichkeit des historischen Holztragwerks konnten die Zimmerstrukturen mit sämtlichen historischen Gipsdecken und deren vielfältigen Deckenmalereien im Jugendstil bewahrt werden. Eingepasst wurden 83 unterschiedliche Bäder, deren Materialisierung mit den quadratischen Keramikplatten und den Schalenbecken sich am historischen Bad und Zimmer orientierte. Die bergseitig im 1. Obergeschoss zerstörten Balkone wurden wiederhergestellt. Das natürliche Licht konnte in allen Korridoren wiedergewonnen werden, und die unter vielen Schichten entdeckte Jugendstiltapete wurde sorgfältig rekonstruiert.

 

Die einmalige sechsgeschossige Holzbauweise erwies sich nach fast 120-jähriger Existenz als durchwegs anpassungs- und entwicklungsfähig, wobei sie im Planungs- wie im Ausführungsprozess ihre wahren Stärken zeigte. Die präzisen Tragwerksteile – die alten wie die neuen – und die Trocken- und Montagetechnik erlaubten eine optimale Synthese der Erfordernisse von Architektur, Funktion, Gestaltung, Haustechnik sowie Brand- und Schallschutz. Ein spektakuläres Novum stellt die Holzkonstruktion des neuen, über sieben Geschosse führenden Liftschachtes dar. An diesem Bauwerk zeigt sich, was der Holzbau wert ist und gutes Holzbauhandwerk hervorzubringen vermag – in der Vergangenheit ebenso wie heute. Das Dach wurde mit speziell angefertigten Dachschieferplatten in Grau und Rot neu eingedeckt; sein markantes Muster konnte anhand alter Fotos und Postkarten reproduziert werden.

 

Aufgrund der im Jahre 1906 vorgenommenen baulichen Erweiterung (Aufstockung) entstanden Mehrlasten, welche im unteren Bereich der Tragkonstruktion (Unter- und Erdgeschoss, erstes und zweites Obergeschoss) massive Eindrückungen sowie Risse und Durchbiegungen verursacht haben. Neben der ursächlichen Mehrlast sind die Verformungen teilweise auf Schwachstellen im Unter- und Erdgeschoss sowie auf vorhandene Querschnittsschwächungen zurückzuführen. Die seinerzeitige Tragstruktur im unteren Bereich war nicht dafür ausgelegt, die Auf- und Nutzlasten aus den fünf Obergeschossen aufzunehmen.

Neues Tragkonzept

Aus diesem Grund musste die bestehende Tragstruktur im unteren Bereich zur Aufnahme der Vertikallast verstärkt werden. Zudem war es erforderlich, die Steifigkeit des ganzen Gebäudekomplexes für die Aufnahme der Windkräfte und die Erdbebenbelastungen über alle Geschosse zu verstärken. Dies erfolgte durch den Einbau von Deckenscheiben und durch die Ausbildung von tragenden Querwänden zur Aufnahme der Stabilisierungskräfte, die über neue Fundamente und Mikropfähle in den Baugrund abgegeben werden. Zusätzlich wurden Verstärkungen an mehreren Bauteilen vorgenommen. Bei der historischen Decke im Speisesaal sowie den Decken in den Zimmern waren Massnahmen (2-schaliger Aufbau) erforderlich, um den heutigen Standards der Gebrauchstauglichkeit und des Schallschutzes zu entsprechen.

 

Eine detaillierte Bestandsaufnahme und die Erfahrungen aus dem Umbau von Musterzimmern waren die Grundlage für die sorgfältige Planung der Gesamtrenovation. Somit konnte das Bauprogramm gut vorbereitet werden und es gab keine Überraschungen grösseren Ausmasses. Selbst die vier übereinanderliegenden Bodenbeläge in einigen Zimmern brachten niemanden in Verlegenheit. Gleichwohl erwies sich der Umbau als eine heikle Aufgabe. Der Einbau der Stabilisierungswände und die Verstärkungen für die vertikale Lastabtragung erforderten grösste Sorgfalt. So musste die Holzkonstruktion provisorisch abgespriesst werden, um im Untergeschoss die Grundrisse anpassen und neue Wände für die Lastabtragung einfügen zu können. In Spitzenzeiten waren bis zu 30 Zimmerleute vor Ort mit den Sanierungsarbeiten beschäftigt. Die fundierte Bestandsaufnahme ermöglicht es, das Timing und den Ablauf der auszuführenden Arbeiten im Voraus optimal vorzubereiten. Die Eingrifftiefe konnte somit früh festgelegt und der Umfang der Arbeiten genau abgegrenzt werden, was wesentlich zur Kostensicherheit des Sanierungs- bzw. Renovationsprojekts beigetragen hat.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in SHB 08/12



Schweizerischer
Baumeisterverband

Weinbergstrasse 49
Postfach, 8042 Zürich
Tel. +41 (0)44 258 83 33
Fax +41 (0)44 261 03 24
verlag(at)baumeister.ch