Report
17.11.11  |   W.Bogusch

Schweizer Premiere – ein Hausbau erhält das Label Minergie-A-Eco

Holzbau in der Pole-Position – ein im bernischen Rosshäusern realisiertes Doppelhaus zeichnet sich u. a. dadurch aus, dass es bei seiner Nutzung weniger Energie verbraucht als es produziert. Zusammen mit dem geprüften Attritbut «Eco» erfolgte – erstmals in der Schweiz – bei einem mit grossem Holzanteil ausgeführten Bauwerk eine Zertifizierung nach dem neuen Standard «Minergie-A».

Das Doppeleinfamilienhaus im bernischen Rosshäusern – eine Herausforderung, den Premium-Standard Minergie-A-Eco zu erreichen.

Das Doppeleinfamilienhaus im bernischen Rosshäusern – eine Herausforderung, den Premium-Standard Minergie-A-Eco zu erreichen.

Ökologische Materialisierung des Projekts: hier mit gedämmten Holzbauteilen für den Wandbereich.

Ökologische Materialisierung des Projekts: hier mit gedämmten Holzbauteilen für den Wandbereich.

Deckartig mit Douglasienholz gestaltet: der Übergang zum südlich orientierten Aussenraum.

Deckartig mit Douglasienholz gestaltet: der Übergang zum südlich orientierten Aussenraum.


Ursprünglich nach den Vorgaben des Standards Minergie-P-Eco geplant, gebaut und auch zertifiziert, erfuhr das Doppelhaus in Rosshäuser nachträglich eine Aufwertung: Dank der Gebäudeausstattung mit Kollektoren und der Gesamtenergiebilanz wurde der Neubau einer höherwertigen Kategorie zugeteilt und als erstes Objekt der Schweiz nach dem neuen Standard «Minergie-A» – in Verbindung mit der zusätzlich erfüllten Anforderung «Eco» – zertifiziert (BE 001-A Eco).

Der architektonische Ansatz

Die Planung des Doppelhauses erfolgte nach energetischen, ökonomischen und bauökologischen Gesichtspunkten, wobei der bis dato energieeffizienteste Baustandard die Leitplanken darstellte. Projektiert wurde ein kompakter, kubischer Baukörper, dem nordseitig ein Treppenvorbau vorgelagert ist und der südseitig einen Gartensitzplatz mit Schwimmteich sowie einen mit einer Gelenkarm-Markise ausgestatteten Balkon (im OG) aufweist. Das Raumangebot im Erdgeschoss ist identisch mit dem im Obergeschoss; es umfasst – neben Räumlichkeiten des Nassbereichs (Bad, WC) – einen Eingangsbereich, eine offene Küche, den Wohn-Essbereich sowie ein Zimmer.

 

Bei der Ausführung des unterkellerten Doppelhauses gelangten überwiegend naturbelassene Baumaterialien zur Verwendung. Hinter der verschalten Holzständerkonstruktion, die mit Zellulosefasern gedämmt ist, wurde eine 60 mm dicke Schicht aus Lehmbauplatten mit einem Strohanteil von 3 Prozent eingebaut sowie ein Lehmverputz aufgetragen. Diese Lehmplatten sorgen für ein angenehmes Wohnklima, denn sie nehmen Luftfeuchtigkeit auf, transportieren diese nach aussen und sorgen bei heissen Sommertemperaturen dafür, dass eine zu starke Erwärmung der Räume unterbleibt. Den Lehmwänden kommt also eine kühlende Funktion zu.

Holzbau als Vorgabe für den Massivbau

Die Elemente wurden im Werk des beauftragten Holzbauunternehmens vorfabriziert und auf der Baustelle an nur einem Tag montiert. Anschliessend und vor Ort erfolgten die Ausführung der Vorsatzschalen an den Wänden mit Lehm, der Bodenaufbau, die Montage der Fenster sowie der Einbau der Installationen für Lüftung, Sanitär, Heizung und Elektrizität. Unter Berücksichtigung der Gestaltungsgeometrie und der Abschlussprofile erwies es sich als sinnvoll, die Fassadenverkleidung vor Ort anzubringen. Der südseitige Balkon sowie das nördliche Treppenhaus mit Abstellräumen und Kellerzugang wurden erst nach der Holzbaumontage in Massivbauweise erstellt. Dabei hat die Holzbaustruktur die Höhenabmessungen und die Positionierung für die auszuführenden Betonarbeiten vorgegeben. Es wurde damit dem Umstand Rechnung getragen, dass die beiden solitären Betonkonstruktionen eine zu grosse Differenz gegenüber dem Holzbau aufgewiesen hätten. Zudem konnte die Betonschalung an der Holzkonstruktion verankert werden. Das Haus bietet ein auf zwei Wohnungen verteiltes Raumangebot, das über den Treppenturm erschlossen wird, wobei die Wohnung im Erdgeschoss (EG) noch etwa ein Drittel der Fläche im Obergeschoss (OG) in Anspruch nimmt.

Konzept der Haustechnik

Die Solarzellen der Photovoltaikanlage sowie die kontrollierte Lüftung und der Wasserspeichertank gehören zur haustechnischen Grundausstattung des Wohnobjekts, womit – in Kombination mit der energieeffizienten Bauweise – die strengen Anforderungen des Passivhausstandards Minergie P erfüllt werden. Die Komfortlüftung mit Erdregister, Wärme-Rückgewinnung, Enthalpietauscher und sommerlichem Byass bietet die Gewähr für ein behagliches Raumklima. Die auf dem Dach installierte Solaranlage sorgt für die Warmwasseraufbereitung. So wird nur eine geringe Menge an Holz-Pellets zur Wärmeerzeugung bei kalten Wintertagen benötigt. In der Hauptwasserleitung befindet sich das Grander-Gerät zur Vitalisierung des Trink- und Heizungswassers. Die Leistung der 24 Photovoltaik-Paneele liegt bei rund 4000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Die beiden Wechselrichter wandeln den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom um, der in das öffentliche Stromnetz eingespiesen wird. Die installierte Waschmaschine zeichnet sich durch die Energieeffizienzklasse A+ aus und verfügt über einen Warmwasseranschluss. Auch die Kühlschränke arbeiten energieeffizient und gehören zur Klasse A++. Der Backofen ist am Gleichstrom angeschlossen, weshalb somit kaum elektromagnetische Felder im Raum entstehen.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in SHB 11/11



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